Advent

Alle Sinne voller Sehnsucht, das Sehen und Schmecken, das Hören und das Riechen und das Begreifen. So kann es uns gehen im Advent. Sehnsucht nach Friede und Hoffnung, Freude und Licht und Liebe. Das ist auch die Wurzel der Weihnachtsfreude. Der ganze Mensch ist voll Sehnsucht nach der Nähe Gottes. Und so sind wir gemeinsam unterwegs durch den Advent auf den Heiligen Abend hin, so gehen wir den Weg von Maria und Josef nach und versuchen ihn zu verstehen.

Sind wir voller Sehnsucht nach der Nähe Gottes? Wenn Gott heißt, zu den Ursprüngen des Lebens zu gelangen, wenn Gott heißt, Sinn und Ziel meines Lebens zu finden, wenn Gott heißt, nicht allein und verlassen zu sein, sondern Liebe und Frieden zu finden, dann bin ich da ganz sicher. Und das betrifft nicht nur den Kopf und nicht nur das Gefühl!

Gott ist ans Ziel gekommen im Stall von Bethlehem und bleibt doch unruhig und unterwegs, bis er auch uns gefunden hat. Deshalb feiert er mit uns Advent und Weihnachten. Er ist nicht nur im Herzen, in den Gedanken oder Träumen und er ist auch nicht nur im Himmel. Bei einer Krippe können wir sehen, dass Gott Gestalt annimmt, begreifbar, hörbar wird und ein echtes Gesicht hat. Dieser Stall in Bethlehem könnte auch ein Ziel für uns sein, der Ort der Ankunft und des Dabeiseins, das Haus, in dem Sehnsüchte gestillt werden. Hier treffen sich Gott und Mensch. Hier können wir ankommen. Gott ist angekommen. Und wir? Wir werden in den Stall so kommen müssen, wie wir sind mit unserer Not, Angst, Unvollkommenheit und allem, was uns auch an Weihnachten das Leben nicht leichter macht.

Und das ist gut so, dass wir so kommen können. Vielleicht werden wir ja diesmal manches hinter uns lassen. Weihnachten ist dann keine kitschige Idylle, wie es oft bei oberflächlicher Betrachtung aussieht, keine Budenstrasse, die morgen abgebaut ist. Es ist nicht ein besonders gut ausgeklügeltes Machwerk von Menschenhand. Es ist das Fest eines Kindes und doch unser aller Fest. Ein Fest für die Kleinen und die Großen!

Für viele ist es ein ganz schlimmes Fest. Der größte Streit, unter Ehepaaren, Kindern, in Familien, viel Traurigkeit und Elend ist mit dem Fest verbunden. Was einem fehlt, eigene Fehler und Verfehlungen werden vielen Menschen in diesen Tagen besonders deutlich. Ich will damit nicht die Feststimmung trüben. Ich möchte ernst damit machen, dass der Heiland auch für uns zur Welt kommt, der auch in die verwirrten Beziehungen, in das Dunkel, in die Not eingehen kann und eingreifen, eben Heil bringen.

Gott ist in diesem Kind zwar klein und ganz unscheinbar geworden, aber er kennt in ihm auch alles, was uns bedrückt und kann uns aufhelfen, dort, wo wir zu ihm kommen und ihn einlassen. Vielleicht möchte Gott in unserer armseligen Hütte, in dem baufälligen Stall unserer Seele wohnen und fühlt sich gerade da wohl. Dann sind wir angekommen.

Wir werden dann nicht nur zur Krippe hingehen mit all dem, wonach wir uns sehnen, sondern wir werden dem Christkind einiges mitbringen: Das, was wir erfahren haben, was wir uns überlegt und vorgenommen haben, aber wir werden auch etwas mitnehmen auf den Weg vom Fest in den Alltag. Wir könnten uns vornehmen, mit allen Sinnen zu begreifen, was das heißt: Gott wird Mensch und wir können versuchen, das andern hörbar und fühlbar, begreifbar und sichtbar zu machen. Unterwegs auf dem Weg nach Weihnachten, unterwegs, um woanders Not zu lindern, wo Gott unser Wort, unsere Hilfe, unseren Glauben haben möchte

Uns allen wünsche ich, dass wir ankommen an der Krippe und dann auch wieder den Weg finden zu uns und zu den anderen. Dazu gebe uns Gott seinen adventlichen und seinen weihnachtlichen Segen.

Herzliche Advents- und Weihnachtsgrüße
Ihr Pastor Lungfiel